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Auf einen Kaffee mit ... Christiane Dopp

KV-Kaffee

Christiane Dopp von der Film Commission der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH ist Initiatorin des Grünen Drehpasses. Seit 2012 wird das Umweltzertifikat an umweltbewusste Produktionen in oder aus Hamburg und Schleswig-Holstein vergeben und soll Filmschaffende dazu ermutigen, erste ökologische Maßnahmen umzusetzen. Mindestens vier von sechs Handlungsfeldern müssen erfüllt sein. Die Bereiche umfassen das Produktionsbüro, Catering, Licht und Technik, die Ausstattung, Transport und Mobilität sowie eine CO2-Berechnung.

CD Auf einen Kaffee mit Christiane Dopp

Liebe Frau Dopp, schön, dass Sie sich heute für uns Zeit nehmen! Wir führen unser Interview telefonisch. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit?

Ja, da haben Sie recht - wobei Bahn fahren durchaus eine umweltfreundliche Reisemöglichkeit bietet!
Gerade im Zusammenhang mit unserer Initiative Grüner Drehpass werden wir sehr häufig eingeladen. Beispielsweise nach Barcelona, für nur einen Tag! Das können wir natürlich nicht machen, das widerspricht einfach unseren eigenen Richtlinien. Flugreisen buchen wir nur, wenn sich dadurch mehrere Termine wahrnehmen lassen, wie beispielsweise neulich auf Mallorca - dort waren wir letztes Jahr, um auf Einladung der Film Commission Mallorca über die Erfahrungen zum Grünen Drehpass zu sprechen und „Green Film Shooting“, das Magazin für Nachhaltigkeit im Medienbereich, vorzustellen.

Mit dem grünen Drehpass haben Sie 2012 als erste deutsche Filmförderung Umweltbewusstsein in die Filmbranche getragen.

Stimmt. 2011 war Hamburg Europas Umwelthauptstadt - und ich war im Zuge dessen auf einem Kongress der internationalen Film Commission in Paris. Dort wurde deutlich, wieviel in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Belgien bereits für nachhaltiges Drehen getan wird. Das war die Inspiration für den Grünen Drehpass. Seitdem konnten wir seit 2012 den Pass an über 120 Produktionen verleihen und viele wichtige Akzente setzen.

Müssen Sie häufig Überzeugungsarbeit leisten?

Viele Produzenten befürchten höhere Kosten. Dabei kann in vielen Bereichen wie Transport oder Catering sogar Geld eingespart werden. Hinzu kommt, dass Mehrkosten für umweltschützende Maßnahmen von der Förderung anerkannt und mitfinanziert werden. Und: Umweltschutz ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr in der uncoolen Ökoecke verortet! Im Gegenteil - Nachhaltigkeit ist hipp, angesagt und positiv für die Außenwirkung.

Warum kommt das in der doch als innovativ und modern geltenden Filmszene so relativ spät an?

Letztendlich ist Veränderung immer ein langsamer Prozess. Wie in jeder Branche sitzt die Routine gerade bei älteren Mitarbeitern natürlich tief in den Knochen. Jemanden, der jahrelang als Kameramann oder Oberbeleuchter gearbeitet hat, muss man erstmal überzeugen, neue Wege zu gehen. Da kann es schon mal dauern, bis sich etwas bewegt.

Sind da nicht auch und gerade die Schauspieler gefragt? Als Vorbilder mit breiter Öffentlichkeitwirkung?

Ja natürlich, das können richtige Botschafter sein! Ich hätte gerne einige als Werbeträger für den Grünen Drehpass gewonnen und habe immer wieder Gespräche geführt. Schauspieler haben eine große Strahlkraft und sind durch ihr Wirken an verschiedenen Produktionen auch wichtige Multiplikatoren.
In den meisten Fällen kam eine sehr zurückhaltende Reaktion. Grundsätzlich wird der Einsatz mit dem gesamten Team als positiv bewertet - aber den Schritt, sich ganz persönlich dafür einzusetzen, wagen dann doch nur wenige. Da besteht die Befürchtung, in eine grüne Schublade gesteckt zu werden. Natürlich gibt es auch rühmliche Ausnahmen. Franziska Weisz, die mit Wotan Wilke Möhring den norddeutschen Tatort dreht, ist so jemand. Die trägt ihre Haltung ganz klar nach außen.

Haben wir also keinen deutschen Leonardo di Caprio?

(lacht) Na ja, auch Leonardo di Caprio ist oft nicht ganz eindeutig in seiner Haltung, schließlich nutzt er sehr gerne Privatjets und Megayachten. Aber richtig ist, dass er sehr viel Geld für den Umweltschutz ausgibt. Vielleicht nicht ganz so vermögend und bekannt, aber ganz klar positioniert ist hier in Deutschland z.B. Hannes Jaenicke. 

Wie sieht es mit der nächsten Generation aus?

Eine meiner schönsten Aufgaben ist die Arbeit mit den Filmstudenten an der Hamburg Media School. Von Anfang an wird Nachhaltigkeit in das Curriculum mit eingebettet. Vom ersten 5-Minüter bis hin zur Abschlussarbeit drehen die Studenten mit den Vorgaben des Grünen Drehpasses – und tragen dieses Selbstverständnis mit hinaus in die Arbeitswelt! Das ist eine unglaublich erfreuliche und fruchtbare Zusammenarbeit.

Gibt es Schauspieler/innen, die auch unbequemere Maßnahmen auf sich nehmen? Verzichten sie auf Annehmlichkeiten wie z.B. einen eigenen Wohnwagen oder eine schnelle Flugverbindung?

Ja, auf jeden Fall. Ganz großartig umgesetzt wird das unter anderem bei „Notruf Hafenkante“, dem „Großstadtrevier“, bei „Die Kanzlei“…
Ich weiß, das Jan Fedder erst sehr skeptisch war - der ist ja wirklich schon lange in der Branche. Aber als er gesehen hat, wie die Maßnahmen greifen und wie effektiv das auch ist, war er richtig begeistert und ist seitdem voll dabei. Statt mit eigener Limousine setzt er sich mit allen zusammen in den Bus und ist ein großer Befürworter der Initiative geworden.

Gibt es beliebte Vorgaben, die gerne und oft umgesetzt werden?

Das Catering ist immer ein großer Punkt. Jeder hat seinen eigenen Becher, der mit dem Namen beschriftet wird. Ich freue mich immer, wenn Schauspieler*innen das öffentlichkeitswirksam auf Facebook oder Instagram posten. Dann gibt es den Veggie Day – wenn da gut und hochwertig gekocht wird, kann so mancher Fleischesser richtig überrascht und nachhaltig begeistert werden.
Auch Fahrgemeinschaften kommen gut an. Plötzlich sitzt man mit jemandem im Auto, mit dem man am Set noch nie geredet hat. Man rückt näher zusammen, spricht mal mit dem Beleuchter, mal mit der Requisite. Das macht wirklich etwas mit dem Team!

Und was finden die meisten nicht so gut?

Mülltrennung ist immer ein leidiges Thema… es muss ja auch alles noch korrekt entsorgt werden. Aber auch das wird irgendwann zur Routine.

Werden Umweltthemen in Film und Fernsehen auch inhaltlich vermehrt thematisiert?

Auch da ist ein Trend zu beobachten, Stichwort „Green Storytelling“. Neulich gab es zum Beispiel eine Szene im Tatort, in der sich Wotan Wilke Möhring aufs Fahrrad schwingt und so etwas Ähnliches sagt wie: „Wir müssen nicht ständig das Auto nehmen…“. Auf Inhalte haben wir natürlich keinen Einfluss. Aber je bewusster sich alle Mitwirkenden all die kleinen Schritte, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen, machen, desto mehr geht das Verhalten in alle Lebensbereiche über.

Was wäre, wenn „Das Traumschiff“ den Grünen Drehpass beantragt?

Dann müsste ich passen. Das würde zu Lasten unserer Glaubwürdigkeit gehen. Auf See laufen Kreuzfahrtschiffe immer noch mit Schweröl und verbrauchen im Schnitt täglich 150 Tonnen davon. Im Hafen sind die meisten Schiffe mangels Landstroms durchgehend im Dieselbetrieb. Da können wir keinen Grünen Drehpass vergeben.

Seit wann beschäftigten Sie sich persönlich mit Nachhaltigkeit?

Der Kongress in Paris war für mich nicht nur beruflich, sondern auch privat eine Inspiration. Natürlich hatte ich auch schon vorher meinen Baumwollbeutel beim Einkaufen dabei. Aber wenn man sich bewusst macht, welche ganz konkreten Schritte zu mehr Nachhaltigkeit führen, kann man im Alltag sehr viel mehr bewirken. Stichwort Reduktion: Muss ich wirklich diesen Flug buchen? Brauche ich die ganzen günstigen T-shirts und Jäckchen, oder kaufe ich lieber nur ein hochwertiges Teil? Diese Einstellung hat sich mittlerweile auch auf meine Töchter übertragen.

Bekommt eigentliche jede Produktion, die sich angemeldet hat, den Grünen Drehpass verliehen?

Nein. Manche merken, dass sich die Handlungsempfehlungen nicht nachhaltig am Set umsetzen lassen. Dann ist es besser, abzubrechen. Wir sind ständig im Gespräch mit den Filmteams und machen das sehr einvernehmlich - es kann ja auch viele gute Gründe dafür geben. Wichtig ist, das Thema früh einzubinden und gut zu kommunizieren. Dann läuft es von selbst und bedeutet auch keinen relevanten Mehraufwand.

Der Grüne Drehpass wird als Initiative der ffhsh regional in Hamburg und Schleswig Holstein vergeben. Wird an einem bundesweiten Konzept gearbeitet?

Ja, es gibt Überlegungen, den Grünen Drehpass zusammen mit dem CO2 Rechner der Filmförderung in Baden-Württemberg als bundesweites Label zu etablieren. Wir sind sehr zuversichtlich, weil ein einheitlicher Standard für die Kommunikation außerordentlich wichtig ist.

Vielen Dank, Frau Dopp, für das Gespräch!

CD Auf einen Kaffee mit Christiane Dopp

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