ZAV Künstlervermittlung

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10 Fragen an Susanna Poldauf, Dozentin für Kulturmanagement an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin

Susanna Poldauf zur Ausbildung und zu den Berufsfeldern von Puppenspielerinnen und Puppenspielern

Bild2 ©Benita Suchodrev

Puppenspiel wird ja gern in den Kontext von Kindertheater gebracht. Ist diese Auffassung noch zeitgemäß?

Natürlich eignet sich das Puppenspiel mit seinem Potential, die Phantasie anzuregen, sehr gut für das Kindertheater. Aber mindestens genauso gut, um Themen für Erwachsene künstlerisch umzusetzen. Wir machen da keinen Unterschied.

 Wo liegen die Schwerpunkte in Eurer Ausbildung?

 Im Diplomstudiengang Zeitgenössische Puppenspielkunst steht der/die DarstellerIn im Zentrum. Wir vermitteln zu Beginn unserer Ausbildung die Grundlagen im Schauspiel und in der Animation von Puppen und Objekten. Dann geht es über die Beherrschung verschiedener Puppenarten wie Handpuppe, Klappmaul oder Marionette zu komplexeren Mitteln und Spielweisen unter Einbeziehung von Materialien, Objekten oder digitalen Medien. Neben weiteren künstlerischen Fächern wie Sprechen, Singen, Gestalten gibt es auch die theoretischen Fächer Theatergeschichte, Dramaturgie, Theorie der Puppenspielkunst und Kulturmanagement. Bei allem ist es uns wichtig, das unsere Studierenden dazu befähigt werden, eine eigene künstlerische Sprache und Position zu entwickeln, um sich später in der Theaterszene behaupten zu können.

In welche Richtung entwickelt sich das Puppenspiel gerade bzw. was unterscheidet das zeitgenössische vom traditionellen Puppenspiel?

Das Feld der Puppenspielkunst hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt und erweitert. So kann es passieren, dass Sie in eine Vorstellung von uns kommen, und Ihre Erwartungen an Puppenspiel nicht erfüllt werden, denn der Begriff  „Puppe“ umfasst in unserem Verständnis alle Dinge und Objekte, die durch die Spieler belebt werden können. Die Szene hat sich zunehmend neue performative Spielformen und Materialien erschlossen, so dass wir mittlerweile auch gern vom „Theater der Dinge“ als eigenständiger Theaterform sprechen.

Was mögen Sie selbst am Meisten am Puppenspiel?

Bild1 ©Benita Suchodrev

Ich finde natürlich diesen Moment, wenn totes Material plötzlich durch die Kunst des Spielers zum Leben erweckt wird, immer wieder faszinierend. Darin liegt ja auch die Magie dieser Kunstform.

Wo sehen Sie die Zukunft des Puppenspiels?

Ich denke, es werden die traditionellen Formen des Puppenspiels genauso ihre Berechtigung behalten, wie der Versuch, diese mit neuen, digitalen Medien zu verbinden. In welcher Weise dies geschehen kann, daran forscht unter anderem der gerade an unserer Abteilung neu geründete Masterstudiengang „Spiel und Objekt“. Aus unserer Sicht sind auch Roboter oder Avatare im weitesten Sinne Puppen. Das Potential technischer und digitaler Medien für das Theater zu erproben, sehen wir als eine unserer Aufgaben an.

Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen?

Neben dem darstellerischen Talent und einer ausgeprägten Spielfreude sollte man Interesse daran haben, sich auf vielfältige Weise, ob als Regisseur oder Puppen- bzw. Objektbauer, Autor oder Spielleiter in künstlerische Projekte einzubringen und eigene Theaterformen zu erfinden.

Wie sehen die Arbeitsfelder und Beschäftigungschancen für diplomierte Puppenspieler aktuell aus?

Nach dem Studium muss jede/r Absolvent/in entscheiden, ob er/sie eine Festanstellung an einem Theater bzw. Puppentheater anstrebt oder freischaffend arbeiten möchte. Es gibt aber auch je nach Interesse und Spezialisierung andere Richtungen, die man einschlagen kann, Puppenspieler gelten ja als Allrounder. Möglich wären also auch Richtungen wie Puppenbau, Synchronsprechen für Film und Fernsehen, Regie, Ausstattung... manchmal kann es auch erforderlich sein, mehrgleisig zu fahren. Daher ist es wichtig, frühzeitig sein Netzwerk zu spinnen. Aktuell haben wir die Situation, dass an einigen Häusern Puppenspieler gerade gesucht werden.

Wie erlebt Ihr Euren neuen Standort in Berlin Mitte?

Der Umzug aller Abteilungen der Hochschule unter ein gemeinsames Dach in der Zinnowitzer Straße 11 bringt natürlich für die Studierenden aller Abteilungen die Möglichkeit, schon während des Studiums interdisziplinäres Arbeiten und künstlerische Partnerschaften zu erproben, die im besten Falle für einen erfolgreichen Start in den Beruf sehr hilfreich sein können. Darüber hinaus ist das neue Gebäude ein architektonisch interessanter Bau und bietet mit den modernen Bühnen, Probebühnen und den eigenen Werkstätten beste Voraussetzungen zum Studieren.

Wo findet jemand, der sich für diesen Studiengang interessiert, ausführliche Informationen?

Auf unserer Website findet man auf den Seiten Studium und Bewerben alle wesentlichen Fakten, um sich über unsere Ausbildung im Fach Zeitgenössische Puppenspielkunst und das Bewerbungsverfahren zu informieren. Aber natürlich gibt es auch die Möglichkeit, persönlich oder telefonisch in der Studienberatung der Hochschule alle Fragen, die man hat, zu stellen.

Wann kann man demnächst wieder Ihre Puppenspieler auf der Bühne erleben?

Unsere Studierenden des 3. Studienjahres bereiten gerade ihre freien Vordiplome vor. Dafür erarbeiten sie das erste Mal komplett eigenverantwortlich ein Projekt, das heißt, sie entwickeln eine Stückidee und setzen diese mit selbstgewählten Mitteln um. Die so entstehenden zehn sehr unterschiedlichen theatralen Ereignisse zeigen wir unter dem Titel „FREISPIELE –  Labor für Halbgares“ am  7., 8. und 9. Februar 2018 jeweils um 19:00 Uhr bei freiem Eintritt. Aber ich warne schon mal vor: das Interesse an diesem Format ist immer recht groß, so dass man gut beraten ist, früh da zu sein oder sich im Vorfeld eine Eintrittskarte zu sichern.

 Übrigens: wer auch mal „freispielen“ will – der Bewerbungszeitraum für die nächste Aufnahmerunde für den Studiengang Zeitgenössische Puppenspielkunst läuft noch bis 15. Februar 2019.

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hfs-puppe

Die beiden ersten Fotos stammen aus der Serie Puppet Masters von ©Benita Suchodrev.