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„Frühe Orientierung schafft bessere Perspektiven“

Auf Einladung des Konservatoriums reisten Ingo Jander und Carsten Bowien nach Athen, um Perspektiven sichtbar zu machen und Nachwuchstalente in Stimmfächern kennenzulernen, die auf dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit unterrepräsentiert sind.

In einem zunehmend anspruchsvollen internationalen Arbeitsmarkt gewinnt die Orientierung bereits während der Ausbildung für junge Opernsänger*innen an Bedeutung.

Herr Jander, Sie kommen gerade aus Athen zurück. War die Reise aus Ihrer Sicht erfolgreich?

Ja, das war sie! Wir waren auf Einladung des dortigen Konservatoriums in Athen. Ziel war es, den Studierenden einen umfangreichen Einblick in die Realität des deutschsprachigen und europäischen Musiktheatermarkts zu geben und gleichzeitig unsere Arbeit als ZAV-Künstleragentur vorzustellen. Uns ging es vor allem um einen für beide Seiten produktiven Austausch, und ich denke, der ist uns gelungen.

Warum gerade Athen?

Wir beobachten seit einigen Jahren, dass sich viele junge griechische Sänger*innen bei uns um ein Vorsingen bewerben. Die Arbeitsmarktsituation in Griechenland ist schwierig und viele sehen ihre berufliche Zukunft international. Deshalb halten wir es für sinnvoll, frühzeitig miteinander ins Gespräch zu kommen. Wer versteht, welche Anforderungen der Musiktheatermarkt stellt, wie Theaterbetriebe arbeiten, und welche Karrierewege derzeit realistisch sind, kann seine Ausbildung gezielter gestalten und ist nach Abschluß des Studiums besser auf den Berufseinstieg vorbereitet. 

Herr Bowien, welche Rolle spielt dabei die Nachwuchsgewinnung für die ZAV-Künstlervermittlung?

Es gibt immer Stimmfächer, die deutlich seltener sind, wie z.B. tiefe Alti und tiefe Bässe. Solche Begegnungen helfen uns, frühzeitig Talente zu identifizieren, Entwicklungen zu begleiten und ausgewählte Sänger*innen in unsere Vermittlung zu übernehmen.

Der große Teil Ihres Besuchs war das Vorsingen für die Student*innen. Wie war Ihr Eindruck?

Das Niveau war insgesamt sehr hoch und überzeugend. Im Ergebnis konnten wir zwei jugendlich-dramatische Sopranistinnen, drei tiefe Bässe und drei Tenöre in unser Portfolio aufnehmen. Außerdem haben wir einen außergewöhnlich talentierten jungen Bariton kennengelernt, dessen Entwicklung wir weiter begleiten möchten.

Darüber hinaus haben wir mehrere junge Sänger*innen getroffen, die sehr bewusst den Opernchor als berufliches Ziel verfolgen. Das erleben wir in dieser Klarheit nicht an allen Ausbildungsstandorten – gleichzeitig ist dieses Berufsbild für viele Theater unverändert von großer Bedeutung.

Ist die Zusammenarbeit mit internationalen Ausbildungsinstitutionen ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit?

Ja, ganz bewusst. Der Opernbetrieb ist auf allen Ebenen international geprägt. Sänger*innen agieren auf Bühnen weltweit, Musiktheater engagieren Stimmen aus allen Kontinenten und auch die Ausbildung wird immer internationaler. Wir arbeiten seit Jahren eng mit Hochschulen zusammen – unter anderem in Schweden und Norwegen – und bauen solche Beziehungen kontinuierlich aus. 

Unser Ziel ist es, Talente früh kennenzulernen, Entwicklungen zu begleiten und Brücken zwischen Ausbildung und Berufseinstieg zu schaffen. Besuche wie der in Athen sind deshalb für beide Seiten wertvoll: Junge Sänger*innen gewinnen Orientierung und wir erhalten früh ein Gefühl für neue Generationen, Entwicklungen in der Ausbildung und Potenziale der Ausbildungsinstitute.

 Was nehmen Sie persönlich aus dem Besuch mit?

Dass persönlicher Austausch nicht zu ersetzen ist. Man hört neue Stimmen und lernt neue Musiker kennen – aber vor allem die Menschen hinter dem Künstler. Und genau das ist unerläßlich für eine erfolgreiche Kooperation.

Mehr Informationen zu unseren Nachwuchsprogrammen finden Sie hier.

Ingo Jander ist seit drei Jahren Vermittler in der Sparte Oper bei der ZAV-Künstlervermittlung in Hamburg

Carsten Bowien ist Vermittler in der Sparte Oper / Operette Chor bei der ZAV-Künstlervermittlung in Hamburg