„Plötzlich war mein Traum zum Greifen nah.“
Der Übergang vom Studium auf die Bühne ist für viele Musical-Absolvent*innen ein entscheidender Moment – geprägt von Auditions und der Frage, wie der Einstieg in die Branche gelingt. Wir haben mit Musicaldarsteller Lino Kalich gesprochen, der direkt nach seinem Abschluss ein Engagement in Hamburg erhalten hat.
Lino, Du stehst aktuell im Musical „Zurück in die Zukunft“ auf der Bühne. Wie fühlt es sich an?
Es ist ehrlich gesagt immer noch ein bisschen surreal. Man kommt gerade aus dem Studium – und steht plötzlich auf einer großen Bühne in einer so bekannten Produktion.
Die Rolle des Marty McFly ist unglaublich intensiv. Ich spiele sie alternierend an zwei festen Vorstellungen pro Woche. Körperlich ist das extrem fordernd, ich schwitze mehrere T-Shirts pro Show durch. Aber das macht auch den Reiz aus. Mein Körper gewöhnt sich langsam daran, und ich wachse jeden Abend ein Stück weiter hinein.
Der Bewerbungsprozess fiel genau in die Zeit deines Abschlusses. Wie hast Du diese Phase erlebt?
Ich habe schon gegen Ende des Studiums begonnen, mich gezielt zu informieren. Dabei bin ich auf die Ausschreibung für das Musical „Zurück in die Zukunft“ gestoßen und habe mich direkt beworben. Das war zwar eine zusätzliche Belastung - vor allem, da es parallel zu unserer Abschlussproduktion „Carousel“ stattfand - aber es hat sich gelohnt.
Dass ich es bis ins Finale geschafft habe, war ein besonderer Moment. Da stand ich auf einmal den großen Namen der Branche gegenüber und plötzlich war mein Traum zum Greifen nah.
Welche Rolle hat die Musical-Absolvent*innenpräsentation (MAP) der ZAV-Künstlervermittlung bei Deiner Vorbereitung gespielt?
Die MAP war eine sehr wichtige Erfahrung. Die Folkwang arbeitet mit einem besonderen Konzept: alle Absolvent*innen stehen gemeinsam auf der Bühne und präsentieren eine Rolle aus einem Musical. So stehen wir mit unserem eigenen Szenenbogen im Fokus, sind gleichzeitig aber auch Teil der Ensembles der anderen Stücke. Und im Publikum sitzen genau die Menschen, die später über Engagements entscheiden.
Für mich war das auch emotional ein ganz besonderer Moment, weil sich der Kreis geschlossen hat: Ich habe dort die Rolle des Tony aus West Side Story präsentiert – das Musical, das mich dazu inspiriert hat, vom klassischen Gesang ins Musicalfach zu wechseln.
Zusammen mit Theaterregisseur Gil Mehmert, der auch an der Folkwang Universität lehrt, habe ich einen Szenenbogen für meinen Auftritt entwickelt, der gezielt auf meine Stärken zugeschnitten war. Die einzelnen Szenen haben mir ermöglicht, meine Bandbreite und mein Repertoire in kurzer Zeit zu zeigen. Die Herausforderung lag darin, die Übergänge zwischen diesen Momenten fließend und schlüssig zu gestalten. Diese Erfahrung ist für zukünftige Auditions enorm wichtig.
Was macht die MAP deiner Meinung nach so besonders für junge Talente?
Es ist die Kombination aus Sichtbarkeit und direktem Austausch. Viele Absolvent*innen von unterschiedlichen Hochschulen kommen zusammen, unterstützen sich gegenseitig und nehmen so etwas Druck aus der Situation.
Gerade in dieser Atmosphäre bekommt man wertvolles Feedback - sowohl vom Fachpublikum als auch durch den Austausch untereinander.
Auch der regelmäßige Austausch mit dem Musical-Team der ZAV-Künstlervermittlung ist hilfreich. Ich erhalte Informationen zu aktuellen Ausschreibungen von meinem Ansprechpartner James deGroot, der auch bei der Premiere von „Zurück in die Zukunft“ war. Ich kann ihn immer ansprechen, wenn ich Fragen habe.
Wie gehst Du mit der Intensität dieses Jobs um?
Ich wachse langsam hinein. Am Anfang ist es natürlich eine Umstellung, aber mit der Zeit finde ich immer mehr meinen Rhythmus. Was mir aus dem Studium extrem geholfen hat, war vor allem die intensive Arbeit an der Gesangstechnik. Obwohl ich schon mit fünf Jahren angefangen habe im Chor zu singen, war es eine große Herausforderung. Ich habe vor allem gelernt, wie entscheidend die richtige Atmung ist, um mehr Lockerheit in den Körper zu bekommen, wirklich entspannen zu können und die Stimme fließen zu lassen.
Wenn Du auf deine Ausbildung zurückblickst – was hat Dich am meisten geprägt?
Die Kombination aus harter Arbeit und persönlicher Entwicklung. Man lernt in dieser Zeit nicht nur das Handwerk, sondern auch sich selbst sehr gut kennen. Diese Selbstkenntnis hilft enorm, gerade wenn man Rollen erarbeitet und authentisch auf die Bühne bringen möchte.
Gleichzeitig hat mich die enge Zusammenarbeit in unserem Jahrgang geprägt. Wir waren nur zu fünft und dieses intensive Miteinander hat mich gut auf die Arbeit im Ensemble vorbereitet – auch wenn die Dynamik dort natürlich eine andere ist. Beide Bereiche sind aber von einem starken Gemeinschaftsgefühl, Hilfsbereitschaft und Teamgeist geprägt.
Zum Abschluss: Was würdest Du jungen Absolvent*innen mit auf den Weg geben?
Nutzt die Möglichkeiten, die sich Euch bieten – zum Beispiel die Musical-Absolvent*innenpräsentation. Sie ist eine tolle Chance, gesehen zu werden und Kontakte zu knüpfen.
Und vor allem: Bleibt dran. Konstantes Arbeiten zahlt sich aus. Der Weg ist intensiv, aber er lohnt sich.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Deinen Auftritten.
Hier geht es zum Video von Linos Auftritt bei der MAP 2026.
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