"Auf einem Bein steht man nicht."
In ihrem Gastbeitrag fasst Schauspielerin Birte Flint die Perspektiven und zentralen Impulse zur Zukunft im Schauspiel zusammen, die beim Netzwerkforum in der ufaFabrik von Panelgästen und Publikum diskutiert wurden.
Am Vorabend der 76. Internationalen Filmfestspiele BERLINALE veranstaltete die ZAV-Künstlervermittlung den Paneltalk „Schauspiel 4.0“. Es ging um die Fragen: Wo steht der Schauspielberuf heute? Welche Chancen und Perspektiven öffnen sich ihm? Was sind mögliche Herausforderungen?
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Auf einem Bein steht man nicht – schon gar nicht in einem Beruf, der von Unsicherheit lebt. Für viele Schauspielende gehört es zum Alltag, neben der Kunst weiteren Tätigkeiten nachzugehen, um die Miete zahlen zu können. Was früher als Scheitern galt, ist heute Realität – und oft sogar kluge Selbstfürsorge. Der Nebenjob ist kein Makel, sondern ein Sicherheitsnetz. Er schafft Luft zum Atmen. Diese Tätigkeiten geben finanzielle Stabilität und damit eine gewisse Unabhängigkeit – die eigene Zukunft hängt nicht mehr ausschließlich vom nächsten Casting ab. Darüber hinaus eröffnen sie neue Erfahrungsräume, manchmal sogar Kompetenzen, die sich positiv auf Profile und Datenbanken auswirken. Allzu offensiv sollte man diese Nebentätigkeiten jedoch nicht kommunizieren. In der Außendarstellung zählt die Schauspieler*in.
Aber die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz verändert die Branche spürbar. Im Synchronbereich wird es zunehmend schwieriger, Fuß zu fassen, und auch im Fiction-Bereich wird KI immer leistungsfähiger. In einem Punkt herrscht jedoch Einigkeit: Wahrhaftige Momente entstehen durch Menschen. Nähe, Präsenz und Authentizität lassen sich nicht vollständig simulieren. Echte Begegnungen gewinnen wieder an Bedeutung – das gemeinsame Erleben im Theater, gemeinsam atmen und sich berühren lassen.
Nicht nur reagieren. Agieren. Nicht nur hoffen. Gestalten.
Gleichzeitig eröffnet die digitale Welt neue Handlungsspielräume. Soziale Medien sind längst mehr als bloße Selbstdarstellung. Sie bieten die Möglichkeit, eigene Inhalte zu produzieren – kurze Szenen, Monologe, Kurzfilme. Von Schauspielenden selbst geschriebene und inszenierte Vertical Dramas sind in den USA und anderen Ländern schon sehr erfolgreich und werden teilweise für Streaminganbieter für den großen Bildschirm adaptiert. Statt in der Warteposition zu verharren, kann Initiative entstehen. Das eigene Marketing wird zur aktiven Gestaltung.
Um das direkte In-Kontakt-Treten unmittelbar zu erproben, gab es im Anschluss ein Get-together – eine Gelegenheit zum Netzwerken mit Kolleg*innen sowie mit Vertreter*innen der ZAV-Künstlervermittlung, ergänzt durch einen eigenen Social-Media-Bereich.
Wer sich die Diskussion online (nochmal) ansehen möchte, kann hier die Aufzeichung des Livestreams finden.
Über die Autorin:
Birte Flint ist in Hamburg geboren und als in der ersten Klasse nach dem Berufswunsch gefragt wurde, schrieb sie: Schiffsbauingenieurin, auf ihr Malpapier und malte den Bug eines Schiffes dazu, denn für den Rest war kein Platz auf dem Papier. Eigentlich war ihr klar, dass sie einen Platz auf der Familien Werft "Taucher Flint" einnehmen würde. Doch dann kam das Leben und alles etwas anders. Der Tanz, das Schauspiel und Berlin.
Birte ist aktuell in der erfolgreichen Serie "Miss Sophie" auf Amazon Prime zu sehen. Sie ist außerdem Regionalpatin des BFFS Berlin/Brandenburg. Seit 2018 gehört sie zum Organisations- und Interviewteam von KLAPPE AUF! der Filmtalkreihe beim achtung berlin - the new berlin film award.
Mehr Infos und ihre Filmografie finden Sie auf ihren Profilen bei filmmakers und bei Crew United.