…  und Schnitt: "Das Fest der Liebe!"

Ein schwelender Konflikt zwischen Ost- und Westdeutschen im Brennglas weihnachtlicher Besinnung.

Zu Jan Georg Schüttes  Mini-Serie "Das Begräbnis" aus dem Jahr 2022 (Erinnerung an unser Interview) ist nun eine Fortsetzung am Start, die auch ohne Kenntnis des ersten Teils ein sehr unterhaltsames und inhaltlich starkes TV-Ereignis zu werden verspricht: „Das Fest der Liebe“. 

. Fest der Liebe - Zitat Quelle: Florida Film

Wir von der ZAV haben die Kinovorführung von "Das Fest der Liebe" am Sonntag, 10. Dezember, im nachmittäglich fast vollen Saal des Hamburger „Zeise“ Kino gesehen (vermutlich waren im Publikum so viele Kameraleute wie selten an einem Ort versammelt sind!) und waren erneut angesichts der sehr speziellen, vermutlich einzigartigen Dreharbeiten von Jan Georg Schütte erstaunt, wie es möglich ist, einen so guten 160-Minuten-Film in so kurzer Zeit zu drehen. Es gab nämlich, wie zu erfahren war, nur einen (!) Hauptdrehtag, an dem das Schauspieler*innen-Ensemble innerhalb von 6 Stunden vor ca. 50 Kameras an einem zentralen Drehort (Villa/Schloss) die komplette Serie „durchgespielt“ hat. Und wie immer bei Jan Georg Schütte improvisieren die Schauspieler*innen ohne ausgeschriebene Drehbuchdialoge auf der Basis ihrer Beschäftigung mit Rollen-Biografien und weiteren Vorab-Absprachen mit der Regie.

. Fest der Liebe - Besinnlichkeit Quelle: Florida Film

Mit Blick auf die immer häufiger diskutierte Frage nach der Möglichkeit der Ersetzung von Schauspielenden durch Künstliche Intelligenz bzw. KI-Avatare geben die gekonnt improvisierenden Schauspieler*innen dieser Serie  ein grundsätzliches Gegenbeispiel zu allen Befürchtungen: Sie tun nämlich sehr intensiv das, was ihre künftigen KI-„Konkurrenten“ nicht können und vermutlich nie können werden: als empfindende und denkende Personen zu reagieren und die Filmhandlung („das Leben“) in ergebnisoffenen Interaktionen kreativ spielerisch zu erfinden und auszugestalten. Und das dürfte auch für starke schauspielerische Darstellungskunst generell gelten!

. Fest der Liebe - Applaus Rückblick im Zeisekino gleich nach der Voraufführung "Fest der Liebe". Quelle: Jan Georg Schütte.

Nach der Kinopremiere begab sich ein kleiner Teil der Crew mit großem Applaus auf die Bühne, und in den Statements konnte man noch einiges über die im Verhältnis zu den Dreharbeiten sehr lange dauernde Postproduktion erfahren: denn in den Monaten am Schneidetisch entsteht erst das „originäre“ Jan-Georg-Schütte-Filmwerk. Die auf die Bühne gekommenen Editoren berichteten, dass sie hunderte Stunden lang Filmmaterial gesichtet haben und bei der Sichtung geduldig nach Dialog-Perlen suchten, aus denen sie Szenen und Ablauf des Films „basteln“ konnten, da es keine Drehbuch-Dialoge gab, an denen sie sich hätten orientieren können. Dazu passte auch eine Aussage der Schauspielerin Nicole Heesters, die - grandios eiskalt - die westdeutsche Familien-"Patriarchin" in der Serie verkörpert, über das Befinden des Ensembles nach dem einen Hauptdrehtag in einem Restaurant: Sie und die anderen hätten das Gefühl gehabt, trotz sehr guter individueller Vorbereitung das Ziel nicht erreicht zu haben. Erst nach zwei Monaten sei von Jan Georg Schütte das Signal gekommen, dass der Film lebe und funktioniere. Bis zur tatsächlichen Realisierung der Serie hat es dann noch viele Monate mit sehr viel Arbeit gedauert. Chapeau! Und: Schnitt!

Im Cast von „Das Fest der Liebe“ sind übrigens Oliver Wnuk und Jan Georg Schütte selbst mit dabei.

Die vierteilige Serie wird im linearen Programm der ARD am Samstag, den 23.12.2023, ab 17.15 Uhr komplett ausgestrahlt (bis kurz vor 20 Uhr) und ist bereits in der ARD-Mediathek abrufbar: "Fest der Liebe".

. Fest der Liebe - Gruppenbild Quelle: Florida Film

Den Einblick gab uns Michael Birkner von der ZAV-Künstlervermittlung Hamburg Film/Fernsehen.