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Künstler in der Corona-Krise

"Das ist gerade sehr, sehr bitter" - Interview mit einer Bandmanagerin

Barbara Lenz ist Bandmanagerin der beiden Formationen George Jackson Band und Die Oberkrämer. Beide Bands sind in normalen Zeiten gut gebucht. Jetzt hängen sie gerade - wie die meisten Musiker - in der Luft. BA aktuell sprach mit Barbara Lenz zur aktuellen Lage in der Musikbranche.

George-Jackson-Band-Berlin Einst gefragt und ​heute wegen des Corona-Lockdowns ohne Engagement: „George-Jackson-Band" (l.) und „Die Oberkrämer" (r.) (Bild: George Jackson).

Sie spielten auf Veranstaltungen von Mercedes, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der Lufthansa oder bei Siemens. Im Hilton sind sie genauso zuhause wie alljährlich bei vielen Oktoberfesten überall im Land. Doch dieses Jahr ist alles anders. Veranstaltungen sind abgesagt, Bierzelte und Konzertsäle gähnend leer. Schlechte Zeiten für Berufsmusiker wie die "George-Jackson-Band" oder "Die Oberkrämer". Wie gehen die Musiker mit der Situation um? Haben sie alternative Ideen? Verzweifeln sie oder hoffen sie mit öffentlicher Unterstützung auf baldige bessere Zeiten? Barbara Lenz, Managerin der beiden Bands, weiß es genauer:

BA aktuell: Frau Lenz, wie gut waren die beiden Bands, die sie betreuen, zu normalen Zeiten gebucht?

BarbaraLenz-George-Jackson-Band-Die Oberkrämer Barbara Lenz, Band-Managerin; Foto privat (c)

Barbara Lenz: Es war für uns immer schon so, dass man nie planen kann, wie jemand, der jeden Monat sein festes Gehalt auf dem Konto hat. Aber in der Regel zählen wir zu den gut gebuchten Bands. Und nun - wirklich von einem Tag auf den anderen - verdienen wir nichts mehr. Wirklich gar nichts. Das ist vielleicht nicht bei allen so, aber bei uns sind alle gebuchten Veranstaltung komplett abgesagt bis Juli. Von Mitte März bis Juli. Das ist schon hart. Und wir arbeiten nur mit hauptberuflichen Musikern, die eben nicht mit einem anderen Beruf noch eine Einkommensmöglichkeit haben. Diese Krise betrifft die hauptberuflichen Musiker ganz besonders.

Wie sieht es denn im Augenblick aus?

Ja, wie sieht es aus? Wir verdienen gerade wirklich gar nichts. Beim Land Brandenburg haben wir Corona-Soforthilfe beantragt, aber bis jetzt haben wir davon noch nichts wieder gehört. Weder einen Bescheid noch Geld. Wir warten einfach auf bessere Zeiten. In Berlin ging das mit der Soforthilfe wohl wesentlich schneller, weil dort scheinbar die Anträge wenig oder gar nicht geprüft wurden. Das ist in Brandenburg anders und dauert deswegen halt länger.

Haben die Musiker so gut verdient, dass sie ein Polster anlegen konnten für solche schlechten Zeiten?

Das ist ein großes Dilemma. Leider, leider entscheiden viele Veranstalter nicht nach der gebotenen Qualität, sondern nach dem Preis. Die sehen nicht, wie gut oder schlecht ein Musiker sein Instrument beherrscht, welche Ausstrahlung und Bühnenpräsenz er besitzt oder wieviel Erfahrung er mitbringt. Sie sehen nur den Preis und da müssen die Musiker sich günstig anbieten, um überhaupt ein Engagement zu bekommen. Wie soll man da dann noch etwas auf die hohe Kante legen können. Das geht einfach nicht. Wir konnten nichts zurücklegen für solche Zeiten wie jetzt. Das ist wirklich sehr, sehr bitter und eine ganz ungute Entwicklung. Und nun rächt es sich. Bei den großen Stars ist das natürlich anders. Die haben Rücklagen von denen sie jetzt leben können.

Gibt es irgendwelche Alternativen zu den verbotenen Auftritten?

In unseren Band arbeiten ausschließlich freiberufliche Musiker. Einige geben zusätzlich noch Musikunterricht und können jetzt behelfsweise Onlineunterricht anbieten. George Jackson unterrichtet aber nicht und da fällt diese Option auch flach. Aber natürlich macht man sich dauernd seine Gedanken. Und es entstehen hier und da kleine Sachen: Musik in Hinterhöfen von Seniorenheimen zum Beispiel, wo die Bewohner dann auf den Balkonen stehen und zuhören. Aber das geht ja auch nur, wenn ein Innenhof oder ein Garten vorhanden ist. Das ist ja nicht immer gegeben. So etwas wären zwar auch ja nur kleine Trostpflaster aber man greift ja inzwischen nach allem.

Vor kurzem kam der Leiter einer Senioreneinrichtung auf uns zu, bei der wir schon seit sehr vielen Jahren zu diversen Anlässen Musik machen. Er rief an, um zu fragen, ob wir etwas für seine Mitarbeiter tun könnten. Die leisteten jeden Tag Unmenschliches und seien mittlerweile am Limit. Er wolle diesen Menschen einfach einmal etwas Gutes tun und sie irgendwie weiter motivieren und bei Laune halten. Und er fragte, ob wir eine Idee hätten und etwas Musikalisches machen könnten. Wir haben dann überlegt und unser Bandleader George hat ein Lied komponiert und ich habe den Text dazu geschrieben. In unserem “Danke“-Song steckt sehr viel Arbeit, denn ein neues Lied schüttelt man nicht einfach so über Nacht aus dem Ärmel. Wir haben fünf Tage lang in unserem kleinen Studio gesessen und daran gebastelt. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Unseren “Danke“-Song haben wir als Videobotschaft bei YouTube ins Netz gestellt und dem Leiter der Einrichtung den Link dazu geschickt. So haben wirklich alle Mitarbeiter die Möglichkeit, unser Video anzusehen und das war das Ziel. Und dann haben wir so viele Dankanrufe bekommen. Es hat den Menschen wohl richtig gutgetan, eine hat am Telefon sogar geweint. Das war der Sinn der Sache. Also nicht das Weinen, sondern die Freude über diese Anteilnahme. So etwas tut gut und kann auch kurzzeitig trösten, aber das Problem löst es natürlich nicht.

Was machen Sie persönlich mit Ihrer Zeit, wenn es für Sie im Augenblick keine Arbeit gibt?

So komisch es klingt, aber ich bin doch jeden Tag im Büro. Ich akquiriere Kunden, mit denen wir lange keinen Kontakt hatte. Ich überlege, was für die Zukunft relevant wäre. Ich frage mich, wen könnte man dann ansprechen. Wir suchen nach neuen Ideen und neuen Möglichkeiten, um die Flügel noch ein bisschen weiter auszubreiten.

Verzweifeln tue ich jedenfalls nicht und ich habe tatsächlich sogar zwei Verträge geschrieben. Allerdings für Ende November und nächstes Jahr im September. Klar ist da erst mal Freude darüber, dass wenigstens etwas geklappt hat. Und man sieht auch, dass die Veranstalter auch schon in die Zukunft schauen und an morgen denken. Ach, man freut sich ja inzwischen schon über so wenig. Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken. Es nützt doch nichts nur zu jammern. Davon wird ja nichts besser. Davon wird man nur unkreativ. Ich laufe auch jeden Tag im Wald und dabei kommen mir die besten Gedanken. Das kann ich auch genießen, und freue mich, dass ich hier die Möglichkeit dazu habe. Dafür bin ich im Moment total dankbar. 

Das Gespräch führte Manuela Herhaus-Leitner, BA aktuell

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