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Auf einen Kaffee mit Henrike Fehrs und Jule Nero

Henrike Fehrs ist die Preisträgerin und Jule Nero Finalistin des SMS-Festivals 2019.

SMS-Festival Münchner Filmfest ZAV-Künstlervermittlung Schauspiel Preisträgerin Henrike Fehrs und Finalistin Jule Nero v.l.n.r.: Jule Nero und Henrike Fehrs im Gespräch mit der ZAV-Künstlervermittlung. Foto (c) ZAV-Künstlervermittlung

Gleich zwei von der ZAV-Künstlervermittlung Hamburg betreute Schauspielerinnen standen beim Finale des Self Made Shorty-Festival 2019 auf der Bühne des Münchener Cinemaxx. Unter mehreren hundert höchst kreativen Video-Bewerbungen von einer hochkarätig besetzten Jury und Schirmherr Edgar Selge ausgewählt oder gar, wie Henrike Fehrs, vom Publikum mit dem Preis für das beste Shorty ausgezeichnet zu werden, ist ein sehr starkes Stück. Für den Teamleiter der ZAV-Künstlervermittlung Hamburg, Peter Militzke, war es Anlass genug, die beiden Finalistinnen zu einem Treffen einzuladen und mit einem Glas (alkoholfreiem) Sekt in der Agentur am Heidenkampsweg zu empfangen. Das anschließende Interview bei Kaffee und Gebäck führten die ZAV-Vermittlerin Monika Kolbe und ihr Kollege Michael Birkner.

Was bleibt Euch vom SMS-Festival zum Thema „Glück“ vermutlich am meisten in Erinnerung?

Henrike Fehrs: Ich saß mit Herrn Selge im Flugzeug, der saß allerdings in der Business und ich hinten (lacht). Und ich dachte: ein gutes Zeichen! Das Spannendste war dann die Reaktion auf die Filme. Was man sich überlegt in seinem Kämmerchen, dabei kann man ja nicht wissen, ob das funktioniert, und dann haben die Pointen so gesessen, dass die Leute mitgegangen sind. Die Leute sind einfach mega ausgerastet, das war das Coolste.

Jule Nero: Für mich war das alles einfach verrückt. Ich hatte überhaupt nicht geplant nach München zu fahren, und dann war ich bei der Kieler Woche auf einem Konzert von Fatoni und habe gesehen, dass ich einen Anruf auf der Mailbox habe. Finale! Mein Filmemacherfreund Johann Schultz und ich sind dann am Freitag um 2 Uhr morgens in Kiel losgefahren, in München dann direkt ins Kino, und das fühlte sich alles ein bisschen an wie ein Traum. Das war so verrückt, weil ich so viele Schauspieler gesehen habe, die ich nur von Instagram oder auch aus dem Fernsehen kannte und die Chance hatte, die Menschen - auch Caster waren da und viele Leute von der ZAV - persönlich kennen zu lernen. Am Abend waren wir noch beim Crew Call und sind dann nachts wieder zurück.

Ihr habt viel Lob für eure Self Made Shorties bekommen. Was gefällt euch an eurem eigenen Video? Und was findet ihr an dem der Kollegin bemerkenswert?

Henrike Fehrs: Erstmal finde ich es witzig, dass wir von der Grundidee her fast das Gleiche hatten, nur dass du in deiner Figur die ganze Zeit Glück hast und ich Pech. Das fand ich total witzig, dass das so ähnlich war. Du hast den Weg zum Casting oder Filmset gezeigt und ich habe ihn erzählt. Viele haben dann gesagt: „Das ist ja mutig, dass du dich so weit in die Opferrolle hinein begeben und Mut zur Hässlichkeit gezeigt hast.“ Ich fand es ganz lustig, das mal so zu machen. Normalerweise wird man ja immer nur hübsch gemacht, ich habe so viel gedreht, wo ich immer die Süße sein sollte, das brauche ich gar nicht. Ich hätte es in meinem Shorty gern so gemacht, dass meiner Figur der Zahn am Ende rausfällt, aber das hat leider nicht funktioniert, er war dann die ganze Zeit weg (lacht).

Jule Nero: Ganz viele Sätze von deinem Video sind in meinem Freundeskreis inzwischen running gags: „Ich hätte auch ein E-Casting machen können“ oder „Aber zum Glück bin ich vor den Bus gefallen“. Ich habe das auch sofort geteilt, weil ich das einfach super gefeiert habe, und ich finde das immer noch sehr witzig.

Henrike Fehrs: Das finde ich wichtig, dieses einander Unterstützen, es gibt ja auch diese Kämpfe und Leute, die sich nicht supporten und neidisch sind, aber das ist so cool, wenn man miteinander arbeitet und nicht gegeneinander.

Jule Nero: Genau! Ich finde, man sollte sich immer das Positive rausziehen und sich überlegen, was kann ich von der Person lernen.

Wann, wo und wie kam euch die Idee zu eurem Shorty? Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Jule Nero: Ich hatte das Glück, dass ich in Kiel meine besten Freunde zusammen bekommen habe, die auch alle versuchen ihren Weg im Filmgeschäft zu finden. Als wir einen Abend zusammensaßen, habe ich gesagt: „Leute, ich brauche jetzt mal Brainstorming-Power!“ Und dann kamen wir bei einem Film über Glück auch erst einmal auf die Unglücksschiene. Irgendwann meinte ich, wie es denn wäre mit jemandem, der Glück hat, aber nah an der Grenze zum Tricksen, zur kleinen, aber brutalen Manipulation. Wenn es der Person bewusst wäre, wär‘s ganz schön gemein, aber es ist ihr nicht bewusst, sie hat einfach Glück und wird vom Fleck weg engagiert. Von mir würde ich sagen, dass ich auch oft Glück habe, und ich wollte wohl mich selbst auf überspitzte Weise spielen.

Henrike Fehrs: Ich hatte 2015 schon einmal mitgemacht mit einer Freundin, da waren wir aber nur unter den letzten hundert, was ja auch schon gut ist. Als ich die Ausschreibung gelesen habe, hatte ich sofort die Idee, etwas aus Ayckbourns Theaterstück „Ab jetzt“ umzuschreiben. Da gibt es diese Szene mit Zoe Mill, die ihr Bewerbungsgespräch als Hostess hat und vorher überfallen wird. Ich hatte das in der Schauspielschule als Vorsprechrolle und das kam immer super gut an. Und dann dachte ich mir: „Das ist so witzig, wie kann ich das adaptieren?“ - Ich bekam dann glücklicherweise technische Unterstützung von iD-Film, eine kleine Hamburger Filmproduktion, die ich gefragt habe - ich konnte das ja nicht zuhause drehen, dann wäre es doch ein E-Casting geworden -, und die haben mir ganz lieb was aufgebaut und mir die Kamera angemacht. Es war keiner im Raum, außer meinem Mann, der einmal einen Schwenk von der Seite gemacht hat. Ich habe es innerhalb von fünf Takes umgesetzt, fünf Mal alles durchgespielt und dann das Beste herausgesucht.

Habt ihr einen Ratschlag für jemanden mit ‚Berührungsängsten‘ bei all der digitalen Technik, die man heute einsetzen kann?

Henrike Fehrs: Ich glaube, man muss sich da nicht groß Sorgen machen, weil diese Shorties ja nicht perfekt sein müssen. Meins war auch nicht technisch perfekt, der Ton hat da manchmal geknackt und die Seitenkamera war unscharf. Es geht ja darum zu zeigen, dass man gut spielen kann und sich selber dabei mit einer Idee ein bisschen vorstellt.

Jule Nero: Es ist ja oft im Leben so, dass man etwas nicht zu lange überdenken darf, um es schließlich zu machen. Bei uns hat auch Einiges nicht so funktioniert, wie ich das ursprünglich in meinem Kopf hatte. Durch die Hilfe meiner Freunde wurden wiederum Dinge möglich, an die ich nicht gedacht hatte. Oder ist euch aufgefallen, dass das Parken-Verboten-Schild in meinem Video erst nachträglich eingefügt wurde? Merlin Slamanig sei Dank.

Eure Shorties stellen beide den Weg zu einem realen Casting dar und was Unvorhergesehenes dabei passieren kann. Es gibt heute aber in Deutschland kaum noch Castings. Welchen Vor- oder Nachteil seht ihr darin?

Henrike Fehrs: Ich glaube, dass es eine Verbesserung ist, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Es ist zeitsparend. Man muss ja sonst ständig nach München, Berlin oder Köln fahren, oft zahlen die Firmen gar nicht mehr und man muss für alles selbst aufkommen. So hat man als Schauspieler die Chance, öfter angefragt zu werden. Früher hatte man das Gefühl, man wird häufiger eingeladen zu Castings, aber jetzt schauen die Caster die Showreels an und besetzen so. Oder es gibt erst ein E-Casting. Das letzte Mal bei einem Casting war ich bei „Rote Rosen“, aber es ging auch um eine Hauptrolle.

Jule Nero: Es ist ja auch umweltschonender, wenn sich nicht ständig quasi tausend Menschen eventuell unnötig durch die Weltgeschichte begeben. Was ich aber schade finde, ist, dass die Leute den Menschen nicht mehr kennenlernen, dafür das Demoband gesehen haben. Das ist vielleicht der einzige Nachteil, ansonsten stimme ich dir zu.

Was liebt ihr an der Schauspielerei?

Jule Nero: An der Schauspielerei liebe ich, dass ich in einer Rolle Sachen machen kann, die ich als Jule Nero nicht machen würde. Ich würde es gut finden, wenn ich auch mal wieder eine Figur spielen darf, die mir selbst als Charakter mehr entspricht. Diese Lockerheit kommt vielleicht auch in meinem Shorty rüber.

Henrike Fehrs: Mich macht es einfach so glücklich, ich mache es, ganz egoistisch, weil es mir so Spaß macht. Und das ist auch der Grund weiterzumachen, wenn es mal nicht läuft. Weil ich weiß, wenn dann mal wieder ein Job kommt, bin ich so glücklich und es erfüllt mich viel mehr, als wenn ich jeden Monat klar die oder die Summe auf dem Konto habe.

Jule Nero: Ich hatte dieses Jahr meinen allerersten Drehtag für das ZDF und bin abends nach Hause gekommen und war so fertig vor Glück, weil ich dachte, das ist genau das, was ich möchte. Ich möchte das noch ganz oft und ganz viel und ganz lange machen und dafür werde ich alles tun (lacht) - natürlich nicht alles -, damit man sich niemals vorwerfen muss: „Was wäre gewesen, wenn…“

Was oder wer hat Euer schauspielerisches Talent bislang am meisten vorangebracht?

Henrike Fehrs: Meistens sind es die Kollegen. Ich finde, man wird besser, wenn man mit guten Leuten spielt. Das hat mich auf jeden Fall weitergebracht, mit richtig guten Leuten zu arbeiten. Learning by doing – es gibt nicht den speziellen Punkt, wo ich sagen würde, da habe ich den einen entscheidenden Sprung gemacht.

Jule Nero: Bei Schauspielern denke ich manchmal: „Die haben jetzt einen ganz tollen Moment geschaffen, die haben mich gecatcht.“ Nicht der Mensch, sondern die Rolle oder Figur. Dann denke ich: „So etwas möchte ich auch erschaffen.“ Ansonsten finde ich, bringt es einen weiter zu leben. So doof das vielleicht klingt. Erfahrungen. Wenn man auch mal auf die Fresse fällt, wird man besser, wenn man daraus schöpfen kann.

Zur Schauspielerei gehört in der Regel wiederkehrende Arbeitslosigkeit. Wie geht ihr damit um?

Jule Nero: Ich habe gerade das Glück, dass ich als Sprecherin ein bisschen mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein zusammenarbeiten kann, zudem mache ich ab und zu Lesungen, dann kommt nochmals etwas Geld rein. Und ich arbeite nebenbei als Fitness-Trainerin in einem Studio in Kiel, habe eine C-Lizenz und bin Zumba- und Strong-by-Zumba-Instructor. Jetzt will ich noch die B-Lizenz machen, damit ich Personal Training anbieten kann. Ich wohne noch in einer WG und bekomme Unterstützung durch meine Eltern. Und ich versuche, überall meine Fühler rein zu stecken: in Köln durfte ich bei den Wedding King Awards Red-Carpet-Interviews führen oder die Filmkultur-Lounge beim Filmfest Schleswig-Holstein moderieren.

Henrike Fehrs: Die Crux ist ja, du musst von irgendwas leben, musst aber auch die Zeit haben, dich weiterentwickeln und anbieten zu können. Egal, wo ich gearbeitet habe, in jedem Vertrag stand, dass ich sofort weg bin, wenn ein Rollen-Angebot kommt. Die meisten finden das auch spannend und unterstützen es, sonst würde ich dort auch nicht arbeiten wollen. Ich habe auch mal gekellnert, möchte aber nicht mehr fern vom Beruf arbeiten, in zwei Welten. Ich möchte kreativ arbeiten, alles andere empfinde ich als anstrengend. Aber alles, was im weitesten Sinn mit Schauspiel zu tun hat, mache ich. Hörspiel, Synchron, Moderation. Ich habe auch ein Kinderbuch geschrieben und eingelesen.

Wieviel Glück und was sonst noch braucht man im Schauspieler-Beruf?

Jule Nero: Ich habe das Gefühl, man braucht schon Glück. Ich kenne unglaublich talentierte Leute, die aber nicht wirklich vorankommen, keine Drehtage oder nicht mal die Chance bekommen, an einem Casting teilzunehmen. Und dann gibt es Leute, die ohne eine Ausbildung irgendwie reinrutschen und plötzlich überall präsent sind. Da ist es manchmal einfach Glück, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und vom Typ her passt. Aber man kann trotzdem Einiges tun und sollte nicht auf der faulen Haut liegen und sich sagen: Ist alles eh nur Glücksache. Denn je breiter du aufgestellt bist und je aktiver du bist, was Caster anschreiben oder online aktuell sein angeht oder was den Austausch mit der Agentur betrifft, umso mehr hast du auch die Chance gesehen zu werden. Es ist eine gute Mischung aus Glück und Fleiß, Ehrgeiz und auch Hoffnung.

Henrike Fehrs: Ich würde sagen, es sind diese drei Komponenten: Du musst Talent, Eigeninitiative und Energie haben, z.B. um ein Self Made Shorty zu drehen. Und das bisschen Glück.

SMS-Festival 2019 Münchner Filmfest 2019 ZAV-Künstlervermittlung Schauspiel Henrike Fehrs und Jule Nero nehmen Peter Militzke, den Chef der ZAV-Künstlervermittlung Hamburg, in ihre Mitte. Foto (c) ZAV-Künstlervermittlung

Henrike Fehrs

Jule Nero

Henrike Fehrs - Glück

Jule Nero - Glück