Jazzstudie 2016: Leidenschaftlich kreativ und schlecht bezahlt - professionelle Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker in Deutschland

vom: 24.03.2016

Die vom Jazzinstitut Darmstadt, der Union Deutscher Jazzmusiker sowie der Interessengemeinschaft Jazz Berlin in Auftrag gegebene Jazzstudie 2016 liefert erstmals empirische Daten zur aktuellen Lebens- und Arbeitssituation professioneller Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker in Deutschland. Durchgeführt wurde die Studie von dem Kulturwissenschaftler Thomas Renz (Institut für Kulturpolitik, Universität Hildesheim). Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) unterstützte die Erarbeitung der Studie und präsentiert die Ergebnisse nun online.

Jazz leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag in der Kunst sowie im Bereich der kulturellen Bildung, und doch bleiben die Künstlerinnen und Künstler schmerzlich unterbezahlt. Ihr durch musikalische Arbeit erzieltes Jahreseinkommen liegt bei durchschnittlich 12.500 Euro. Erkenntnisse wie diese liefert jetzt die großangelegte Studie. Als Grundlage diente eine Online-Befragung mit über 2.000 Teilnehmern. Die Studie zeigt unter anderem, dass Jazz überwiegend im urbanen Raum geschaffen wird. Die Jazzmetropolen Köln und Berlin sind auch die Regionen, wo die meisten der Befragten leben und von denen nach Selbsteinschätzung der Jazzmusikerinnen und -musiker die wichtigsten künstlerischen Impulse ausgehen. Umso problematischer ist der Befund der Studie, dass insbesondere dort professionelle Musiker selten mit mehr als 50 Euro pro Auftritt nach Hause gehen. Studienleiter Thomas Renz sieht daher die Notwendigkeit einer generellen Verbesserung des Gagenniveaus. "Die Landschaft der privaten und selten mit öffentlichen Mitteln geförderten Spielstätten für Jazzmusik ist geschichtlich gewachsen und bedarf einer finanziellen Stärkung", so seine Empfehlung.

Bei der Vorstellung der Studie in Berlin sah auch Siegmund Ehrmann, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, Handlungsbedarf: "Mit der Jazzstudie 2016 liegen endlich belastbare Zahlen vor, auf die die Kulturpolitik jetzt reagieren muss." "Diesen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zu unterstützen war mir ein besonderes Anliegen", so Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters in ihrem Vorwort zur Studie. "Ich hoffe, dass die Studie Diskussionen darüber anregen wird, wie die Lebensbedingungen der Jazzmusikerinnen und -musiker auskömmlicher gestaltet werden können." Die Kulturstaatsministerin beteiligte sich ebenso an der Finanzierung der Studie wie die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Die Jazzstudie 2016 lenkt den Blick auf die wesentlichen Problemfelder und liefert konkrete Handlungsansätze für Lösungen in der Zukunft. Die Studie kann im Volltext heruntergeladen werden unter http://www.miz.org/fokus_jazzstudie2016.html

Ansprechpartner zur Jazzstudie 2016:
weidler@jazzinstitut.de
post@u-d-j.de
info@ig-jazz-berlin.de


Jazzstudie 2016 Infografik