Deutsch-norwegische Freundschaft in Sachen Oper

vom: 04.03.2015

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6. Februar 2015, ein eiskalter Tag in Berlin – doch beim Vorsingen der Opernschule Oslo bei der Künstlervermittlung in Berlin wird es den Vermittlern warm ums Herz. Die jungen Sängerinnen und Sänger aus Norwegen haben sich in ihr Vorsing-Outfit geworfen, haben deutschsprachige Arien, aber auch Mozart vorbereitet. „Die Osloer kennen den Geschmack des deutschen Theatermarktes“, weiß Berenike Jürgens, Musiktheater-Vermittlerin bei der KV Berlin.

Seit über 20 Jahren bestehen regelmäßige Kontakte zwischen der Opernschule Oslo und der ZAV-Künstlervermittlung. Die Statens Operahøgskole (so der offizielle Name der Opernschule) ist Teil der Kunstakademie Oslo und hat gerade ihr 50jähriges Bestehen gefeiert.

Oslo ist die einzige Stadt in Norwegen mit einem Masterstudiengang Opernschule/Gesang. Pro Semester werden circa vier Studierende immatrikuliert. Von den 50 Bewerberinnen und Bewerbern um die begehrten Studienplätze stammen über 90 % aus Skandinavien. Zum Studienplan gehört auch eine Reise nach Berlin, um deutsche Theaterkultur kennenzulernen. Im Rahmen dieses Besuches findet einmal jährlich ein Vorsingen der Osloer Studenten in der Künstlervermittlung mit anschließenden Beratungsgesprächen statt.

„Die Studierenden im Master Oper erfahren in Oslo eine in unseren Augen - und Ohren - ausgezeichnete Ausbildung“, sagt Berenike Jürgens, die die Arbeit der Osloer Lehrkräfte besonders zu schätzen weiß: „In Oslo begegnen die Lehrer ihren Schülern auf Augenhöhe – das fördert das Selbstbewusstsein, aber auch die Kritikfähigkeit der jungen Sängerinnen und Sänger.“

Über 85 % aller in Oslo Ausgebildeten arbeiten bis zum Erreichen des Rentenalters in ihrem erlernten Beruf – anders als in Deutschland, wo Sänger über 40 eher schwer zu vermitteln sind. Natürlich stehen die acht Absolventen jährlich in ganz Norwegen im Masterstudiengang Oper in keiner Relation zu den über 350 Gesangsstudienabsolventen in Deutschland. Nicht unerwähnt sollte man lassen, dass ein fest engagierter Sänger der Oper Oslo mit 53 Jahren in Rente gehen kann. Damit entfällt die Problematik, die in Deutschland mit steigendem Renteneintrittsalter immer signifikanter wird: Operngesang hat einen sportlichen Aspekt und jeder Leistungssportler überschreitet mit nachlassender muskulärer Leistung seinen individuellen Zenit in höherem Alter.

Zum 50. Geburtstag der Statens Operahøgskole waren viele ehemalige Studenten der Hochschule zum Festakt geladen. Unter anderem sang auch eine norwegische Kundin der ZAV beim Festkonzert: Hege Gustava Tjønn.

Die einstige Siegerin des renommierten Königin-Sonja-Musikwettbewerbs entschied sich nach dem Studium nicht für den „einfachen“ Weg – zuhause in Norwegen gut bezahlt Standardrollen in fester Anstellung zu übernehmen – sondern für den interessanten: Nach Deutschland zu gehen - dem größten und wichtigsten Arbeitsmarkt für Opernsänger weltweit. Nach ihrer Anfangszeit als Soubrette in Mecklenburg-Vorpommern und einem Engagement an der Staatsoper Darmstadt – beide Engagements kamen durch die Hilfestellung der ZAV zustande – übernahm sie auch moderne, herausfordernde Parts wie in Christoph Schlingensiefs Bonner Inszenierung von „Freaks“ als siamesischer Zwilling. „Trotzdem ist Hege sehr heimatverbunden und extrem dankbar für ihre gute Ausbildung an der Osloer Opernschule“, weiß Berenike Jürgens, die einen engen Kontakt zu ihrer Kundin pflegt. Die spricht akzentfrei Deutsch, lebt mit ihrer jungen Familie in Wien – und ist ein wunderbares Beispiel für die „deutsch-norwegische Freundschaft“ in Sachen Oper.