Die ZAV-Künstlervermittlung im Land von Bizet und Berlioz

vom: 06.02.2015

Die Kolleginnen und Kollegen der französischen Künstlervermittlung
Schon mehrmals hat sich die ZAV-Künstlervermittlung mit ihren französischen Kollegen getroffen, am 20. Januar 2015 war es nun wieder so weit. Bereichsleiter Wolfgang Grube und Opernchorvermittler Martin Geißler reisten nach Paris, um das gerade neu organisierte Pendant der ZAV-Künstlervermittlung in ihren neuen Pariser Büroräumen zu besuchen.


Die Reise hatte neben dem Austausch über Arbeitsweisen und Vertiefung der Zusammenarbeit auch einen konkreten Anlass: Ein Workshop für französische Opernsängerstanden auf dem Programm. „Die Zielgruppe dieses Mal waren gestandene Opernsänger, die bereits über Berufserfahrung verfügen und die sich für eine Arbeit in Deutschland interessieren“, sagt Martin Geißler. Nach deutschem Vorbild sind in Zusammenarbeit mit dem Pariser Konservatorium (Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Paris) aber auch identische Veranstaltungen für Hochschulabsolventinnen und -absolventen geplant – ein Novum für die französische Arbeitsverwaltung. „Während wir uns als ZAV-Künstlervermittlung stark der Nachwuchsförderung verschrieben haben, liegt der Fall bei den Kollegen anders“, erklärt Wolfgang Grube. „Hier gilt als Künstler, wer bereits künstlerisch beschäftigt gewesen ist. Und das ist bei frischgebackenen Hochschulabsolventen nicht der Fall. Hier ergänzen sich die deutsche und die französische Künstlervermittlung und bilden bilaterale Synergien“


Ein Anliegen des ZAV-Vermittlers war auch, den französischen Sängerinnen und Sängern die Besonderheiten der deutschen Opernlandschaft näher zu bringen. Denn der deutsche Arbeitsmarkt ist für Opernsänger von großer Bedeutung. „Von 380 Opernhäusern weltweit befindet sich etwa die Hälfte in Deutschland“, sagt Martin Geißler. „Daher wird jeder Opernsänger, der Karriere machen will, früher oder später auch einmal in Deutschland arbeiten.“


Doch einfach ist der Einstieg nicht, denn es bestehen große Unterschiede zwischen der deutschsprachigen und der französischen Opernwelt. „In Frankreich sind die Gesangsfächer nicht so ausdifferenziert wie in Deutschland“, erklärt Martin Geißler. „Es gibt natürlich die Unterteilung in Alt, Sopran, Tenor und Bass, aber die weitere Aufgliederung in leichten, schweren, lyrischen Gesang usw. gibt es nicht.“ Auch bei der generellen Arbeitsweise müssen die französischen Sängerinnen und Sänger umdenken, wollen sie in einem Opernhaus in Deutschland Fuß fassen. „In Frankreich werden sie für eine bestimmte Rolle in einer Opernproduktion engagiert, die in der Regel für einen festen Zeitraum hintereinander aufgeführt wird. In Deutschland steht jeden Tag eine andere Oper auf dem Spielplan und die für das Ensemble engagierte Sängerinnen und Sänger singen innerhalb eines Monats verschiedene Partien“, sagt Wolfgang Grube und ergänzt: „Durch unseren engen Kontakt mit den deutschen Opernhäusern können wir den interessierten französischen Künstlern sehr gut vermitteln, was sie in der deutschen Opernlandschaft erwartet und was deutsche Arbeitgeber sich wünschen.“


Insofern gibt es noch viel Gesprächsstoff und Informationsbedarf. Die nächsten Veranstaltungen und Vorsingen mit französischen Studierenden sind bereits geplant. Und vielleicht begeistern bald viele neue Sängerinnen und Sänger aus dem westlichen Nachbarland auf hiesigen Opernbühnen das Publikum.