Vom Schwarzen Meer auf deutsche Opernbühnen?

vom: 26.07.2013

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„Ein Gast kommt von Gott.“ Wie dieses georgische Sprichwort gelebt wird, konnte Ursula Jochmus, Vermittlerin in der Sparte Oper der ZAV-Künstlervermittlung Köln, am eigenen Leib erfahren. Anfang Juli bereiste sie für eine Woche das Kaukasusland, wo sie mehrere Opernhäuser besuchte und an Vorsingen sowohl mit Nachwuchs- als auch erfahrenen Opernsängern und -sängerinnen teilnahm. Ihr Ziel: In der Republik am Schwarzen Meer Talente für deutsche Opernhäuser aufspüren.

Ihre Reiseroute ging über die Oper und das Konservatorium in Tiflis zu den Opernhäusern in Kutaisi in Zentralgeorgien und Batumi am Schwarzen Meer. Auch ein Besuch im Ministerium für Kultur und Denkmalschutz stand auf dem Programm, bei dem Ursula Jochmus vom Minister und seiner Stellvertreterin persönlich begrüßt wurde. „In dem einstündigen Gespräch zeigten die beiden Politiker großes Interesse an der Arbeit der ZAV-Künstlervermittlung und der weiteren Zusammenarbeit mit uns“, sagt Ursula Jochmus. Und schließlich gab sie auf ihrer Reise noch zwei Interviews für georgische Fernsehsender.

Ebenso herzlich wurde sie allenthalben von den Teilnehmern der Vorsingen empfangen, die ihr neben den offiziellen Präsentationen noch Ständchen in georgischer Sprache darboten und sie bei ihrer Abreise sogar zum Flughafen begleiteten.

Das Ergebnis ihrer Reise kann sich sehen lassen. Die Opernhäuser sind gut ausgestattet und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Vorsingen waren allesamt perfekt vorbereitet. „Aber junge, innovative Gesangsprofessoren sind meistens in den Westen gezogen“, berichtet Ursula Jochmus. „Übrig bleiben die Lehrer der alten russischen Schule, die keine Stimmfächer kennen und die falsche Atmung lehren.“ Doch dank großen Engagements und Fleißes konnten viele Hochschulabsolventen von sich überzeugen. Gerade die jüngere Generation lernt zudem in der Regel Deutsch, auch wenn es an Praxiserfahrung noch etwas mangelt. Ursula Jochmus ist dennoch zuversichtlich. „Einige der Bewerber kann ich schon ab September mit großer Aussicht auf Erfolg für Vorsingen bei Opernchören in Deutschland vorschlagen. Auch einige gute Solisten waren dabei, die meistens aber noch etwas mehr Deutsch lernen müssen.“

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Ursula Jochmus im Interview
Die ZAV-Künstlervermittlung hat sich neben der Nachwuchsförderung besonders der Internationalisierung des Künstlerarbeitsmarktes verschrieben. Bis jetzt war sie vor allem in Skandinavien aktiv und unterhält bereits seit langem Kontakte zu ihren schwedischen Kollegen. Auf dem diesjährigen Nachwuchsvorsingen Oper in Kiel war auch eine Opernsängerin aus Norwegen mit dabei. Mit ihrem Besuch in Georgien eröffnet Ursula Jochmus ein neues Kapitel in dieser spannenden Initiative.