Auf einen Kaffee mit … Bettina Meske

vom: 13.06.2018

In unserer Interviewreihe „Auf einen Kaffee mit…“ stellen wir monatlich einen unserer Künstler/innen vor. Hier blicken wir hinter die Kulissen, lassen uns etwas über den Alltag jenseits der Bühne erzählen und erfahren Persönliches.

Hallo Bettina,


ich erreiche Dich mitten in den Proben zu „Les Miserables“ in Tecklenburg – wie geht es Dir?

Sehr gut! Am 22.06. ist Premiere, Tecklenburg bietet eines der größten Freiluftmusicals Deutschlands und wir haben hier für Les Miserables eine tolle Besetzung mit vielen prominenten Kollegen. Das macht auf jeden Fall Spaß!


Ändert sich Dein kompletter Alltag, wenn Du in einer solchen Produktion steckst?

Ja. Innerhalb ganz kurzer Zeit gilt es, mit den Kollegen zu einem eng verbundenen und intensiv zusammen spielenden Ensemble zusammenzuwachsen. Ich werfe mich mit Haut und Haaren in die Arbeit und in dieser Zeit bleibt dann wenig Raum für andere Sachen. Da sind wir praktisch auf einem anderen Planeten.

Und wenn das Ganze vorbei ist?

Gerade wenn es eine intensive und tolle Arbeit war, dann gibt es schon eine gewisse Wehmut und Abschiedsschmerz vom Stück und von den Kollegen. Das geht mir auch nach den vielen Produktionen, die man im Laufe der Zeit so spielt, immer wieder nah.

Theater ist flüchtig- wenn die letzte Vorstellung einer Inszenierung gespielt ist, schrumpft die gelebte und erfüllte Zeit auf einen Zeile in deinem Lebenslauf zusammen und ist ab dann eine kollektive Erinnerung aller Kollegen und des Publikum - es bleiben nur ein paar Fotos und Videos.


Wie gehst Du damit um?

Im Laufe der Jahre lernt man, sich ein bisschen davor zu schützen, indem man sich schon zu Beginn klar macht, dass es ja auch wieder einen Abschied geben wird. Vielleicht wahrt man im Laufe der Zeit einfach etwas mehr Distanz. Aber mir ist ein herzliches Miteinander sehr wichtig, unnahbar möchte ich nicht sein.

Ich mache immer wieder tollen Begegnungen und es gibt auch ein paar sehr enge, dauerhafte Freundschaften, gerade aus der Studienzeit und aus den ersten Engagements. Trotzdem: Dieser Prozess, dass man sich auf einen Planeten begibt und man muss da auch wieder runter, damit hat man irgendwann Erfahrung.


Versteht ihr euch untereinander grundsätzlich gut?

Auf jeden Fall. In dem Moment, in dem du zu einer Cast gehörst, freuen sich alle aufeinander. Natürlich gibt es auch den Audition-Prozess, wo die Auswahl für das jeweilige Engagement stattfindet- das gehört nun mal dazu und damit muss man umgehen. Manchmal stehen Kollegen für ein Projekt schon fest, manchmal müssen alle zur einer Audition antreten- jedes Projekt kann da im Vorfeld anders sein. Wenn man Glück hat, ist es irgendwann auch soweit, dass man für etwas gefragt wird.

Die Kollegen, die den Beruf schon jahrelang erfolgreich machen und mit einem tollen Lebenslauf unterwegs sind, die kennen sich untereinander und freuen sich immer mal wieder zusammenzuarbeiten.

Wenn tolle Kollegen für ein Projekt gewonnen werden konnten, dann sagt das auch schon viel über die mögliche Qualität einer Produktion. Es hilft einem sich zu entscheiden- man überlegt ja für die eigene Laufbahn immer gezielter, für welche Stücke und Inhalte man auf die Bühne geht und was man künstlerisch erzählen möchte und welche Qualität die Arbeit hoffentlich erreichen kann.


Letztes Jahr hast du in Wien an der Uraufführung des Roland Kaiser Musicals „Santa Maria“ in einer Hauptrolle mitgewirkt. Wien kennst du noch von früher- du hast dort deine Musicalausbildung absolviert. Wie fühlt sich eine waschechte Berlinerin in Wien?


Ich habe die Zeit in beiden Fällen sehr genossen. Uraufführungen mache ich ohnehin wahnsinnig gerne, es ist eine tolle Arbeit, etwas zu entwickeln und zu gestalten, was es so zuvor noch nicht gab.

Von der Stadt Wien habe ich während meines Studiums gar nicht so viel mitbekommen: Ich war morgens ab 9:00 in der Schule am „Theater an der Wien“ und kam abends um 22:00 Uhr wieder raus. Eine eigene Welt mit einer sehr besonderen Atmosphäre, sehr international mit vielen Dozenten aus Amerika. Wir hatten in dieser Zeit auch in Wien einen Schulalltag, wie man ihn aus dem Film „Fame“ kennt.

Zwischen Wien und Berlin gibt es eine ganz innige künstlerische Verbindung. Ich bin gerade in letzter Zeit oft hin und her geflogen und habe immer wieder mit Kollegen und tollen Schauspielern wie Lars Eidinger und August Diehl und vielen Opernsängern im Flieger gesessen.

Das ist ja auch das Schöne an diesem Beruf: in fast jeder Stadt hat man Kollegen, die man kennt und Freunde - man fühlt sich deshalb so gut wie überall als Teil einer großen Familie aus Künstlern.


Du bist Gründungsmitglied der Deutschen Musicalakademie und mittlerweile auch im Vorstand. Was will die Akademie bewirken?

Musicals sind große Publikumsmagneten und kommerziell relativ erfolgreich. Aber künstlerisch genießt das Musical nicht dasselbe Standing wie die klassische Musik oder Theater. Dabei ist der Beruf sehr anspruchsvoll, man muss sehr gut singen können, sich bewegen können, schauspielern auf hohem Niveau. Ich möchte Verantwortung für dieses Genre übernehmen und dazu beitragen, dass die Anerkennung sowohl im Theater als auch in der Öffentlichkeit wächst.

Wir setzten uns mit der Akademie für neue original deutschsprachige Inhalte ein, für die Nachwuchsförderung, verleihen Preise. Die Ausbildungen werden immer besser und es gibt wirklich viele tolle junge Kollegen und auch fantastische Kreative. Ich habe da viel Hoffnung für unser Genre!


Neben Deiner Theater- und Musicalkarriere produzierst Du auch Musik. Du hast bereits mehrere Alben und CDs in Deinem Label veröffentlicht, gibst deutschlandweit Konzerte und schreibst Deine eigenen Songs. Welchen Stellenwert hat das für Dich?


Mir ist das sehr wichtig. Künstlerisch ist es mein zweites Standbein, weil Songs zu schreiben ein sehr kreativer, persönlicher Prozess ist, der mich wach und neugierig hält. Meine Musical- und Theaterengagements sind immer wieder fester Teil meines künstlerischen Lebens. Aber zu einem eigenen Konzert zu fahren und zu wissen: Hier geht es um etwas, das ich mir ausgedacht habe - das ist ein ganz besonderes Gefühl. Mich selber kreativ auszudrücken bedeutet mir sehr viel. Beides zusammen macht für mein Leben total Sinn!


Wie entstehen Deine Songs?

Ich kann nicht sagen, „Jetzt setze ich mich hin und schreibe ich ein Lied.“ Es braucht die Inspiration und die richtige Gelegenheit, das ist nicht wirklich planbar. Mir kommen zwischendurch immer mal Ideen, einzelne Textzeilen oder Melodien. Das nehme ich dann mit meinem Handy auf, um es nicht zu vergessen und später in Ruhe verarbeiten zu können. Manchmal dauert es länger, manchmal geht es auch ganz schnell- aber irgendwann hab ich dann genug Lieder für ein neues Album zusammen.


Und mit wem gehst du für Deine Musik ins Studio?

Der Erfolg und die Anerkennung für mein letztes Album „Bettina Meske -Made in Berlin“ hat mich sehr bestärkt und ich habe für meine neue CD zu meinen festen Musikern ein paar ganz tolle musikalische Gäste gewinnen können. Auf einen Gast bin ich ganz besonders stolz: In den Niederlanden lebt der legendäre Trompeter Ack van Rooyen. Er hat vor Jahren zusammen mit Paul Kuhn ein für mich unvergessliches Konzert in Berlin gegeben, das mich damals völlig umgehauen hat.

Ich habe mir ein Herz gefasst und ihm einen Brief geschrieben, ihm meine Musik geschickt und ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, für mein neues Album etwas zu spielen. Er mochte meine Musik und als er das nächste Mal in Berlin war haben wir uns getroffen - und er hat zugesagt! Dass er einen meiner Songs mit einem Solo geadelt hat ist ein Traum, der wahr geworden ist.

Mein neues Album „Bettina Meske - Paradise Is Now“ erscheint dieses Jahr- darauf freue ich mich sehr.


Du hast in Deiner Karriere schon viel erreicht. Was würdest Du jüngeren Kollegen/innen mit auf den Weg geben?

Ich würde ihnen wünschen, dass sie die Freude und Neugier auf all das was noch kommen kann behalten und sich dafür mit Disziplin und Weiterbildung zu jeder Zeit der Laufbahn wappnen. Und nicht alles an beruflichen Erlebnissen zu persönlich nehmen. Manchmal sind die Vorzeichen gut und es verwirklicht sich etwas, was man gar nicht gedacht hätte, und manchmal arbeitet man jahrelang für etwas und es wird trotzdem nicht wahr.

Man sollte auf jeden Fall Träume haben und für deren Verwirklichung arbeiten. Wenn man lange genug dabei ist, gelingt es hoffentlich auch, sich den ein oder anderen zu erfüllen.


Die Berliner Sängerin und Schauspielerin Bettina Meske spielte bereits europaweit zahlreiche Hauptrollen im Theater- und Musicalbereich. 2016 wurde sie mit dem Deutschen Musical Theaterpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr übernimmt sie die Rolle der Madame Thénardier in LES MISERABLES bei den Festspielen Tecklenburg.

Bettina Meske ist Preisträgerin im Bundeswettbewerb Gesang und sie ist Gründungsmitglied sowie im Vorstand der Deutschen Musicalakademie.

Sie veröffentlicht Ihre Musik in ihrem Label BMRecords, in diesem Jahr ist ein neues Album geplant: „Bettina Meske- Paradise is now“.