Auf einen Kaffee mit… Herbie H. Hart

vom: 11.04.2018

In unserer Interviewreihe „Auf einen Kaffee mit…“ stellen wir monatlich einen unserer Künstler/innen vor. Hier blicken wir hinter die Kulissen, lassen uns etwas über den Alltag jenseits der Bühne erzählen und erfahren Persönliches.

Hallo Herbie,
wolltest Du schon immer Musiker werden?

Ja! Ich wollte schon immer Musiker werden und bin schon immer Musiker. Gleichzeitig ist die spirituelle Welt ein wichtiger Teil meines Lebens. Eine Zeit lang habe ich sogar als Tarot Kartenleser gearbeitet.

Oh, Du kannst also die Zukunft voraussagen?

(lacht) Ja, darum geht es zwar in erster Linie nicht, aber ja, das kann man machen.

Wie sieht Dein Alltag als Musiker aus? Du gehst ja nicht jeden Tag ins Büro.
Gibt es eine tägliche Routine?

Ich übe sehr viel. Wenn ich nicht zum Auftritt fahre, verbringe ich meine Zeit mit stundenlangem Üben und Komponieren. Außerdem lese ich viel, hauptsächlich über Politik und Spiritualität.

Gehst Du selbst gerne zu Konzerten? Wie findest Du die Berliner Musikszene?

Ich finde ehrlich gesagt, dass es früher sehr viel bessere Musiker in Berlin gab. Die Auftrittsmöglichkeiten in der Stadt gestalten sich aufgrund von vielen neuen Reglementierungen immer schwieriger. Viele wirklich gute Jazzmusiker, die in die Stadt kamen weil es so viel zu tun gab, sind mittlerweile wieder zurückgegangen. Früher gab es die SFB Big Band und das RIAS Orchester. Ich hatte eine Festanstellung im Theater des Westens. Dessen Orchester ist bereits vor Jahren freigesetzt worden weil das Theater privatisiert wurde. Die Musikszene hat sich sehr verändert in den letzten 20 Jahren.

Spielst Du hauptsächlich mit amerikanischen Musikern?

Nein, das ist ganz gemischt. Für mich ist wichtig, dass jemand nett und zuverlässig ist, und gut spielt. Wo jemand herkommt, ist in der Musik völlig egal.

Hast Du darüber nachgedacht, zurück nach Los Angeles zu gehen?

Ja, immer mal wieder. Aber mittlerweile bin ich hier als Musiker sehr gut etabliert und außerdem ist meine Frau Berlinerin. Komischerweise ist sie diejenige, die am liebsten in die USA auswandern würde! (lacht)

Du bist in LA aufgewachsen und hast auch in New York gelebt. Was ist dort anders als in Berlin? Was fällt Dir da als Erstes ein?

Dazu fällt mir ein, und eine Menge Leute würden mir da zustimmen, in Deutschland nimmt man vieles so ernst. Gerade beim Musikmachen! In Amerika hatte ich immer Spaß, egal, mit wem ich gespielt habe. Du kannst alle ansprechen, auch Leute wie Michael Brecker und die ganzen großen Stars, die sind alle total locker. Hier ist es viel strenger und geregelter. Mir fällt das auch auf, wenn ich unterrichte. Ich gebe schon seit Jahren sehr erfolgreich Saxophonunterricht, und manchmal erwarten Schüler eine Art Formel von mir, wie in der Mathematik. Ein Schema, nach dem sie vorgehen können. Und wenn ich einfach frage: „Du magst also Jazz. Wer ist denn dein Lieblingssaxophonist?“, dann kommt häufig gar nichts. Oder sie sagen z.B.: „Charlie Parker.“ Und dann ich: „Welches ist dein Lieblingssong von Charlie Parker?“ Spätestens jetzt kommt meist keine Antwort mehr! (lacht) Wenn man Jazz nicht hört und keinen Spaß an der Musik hat, kann man es auch nicht lernen. Natürlich muss man sehr viel üben, aber Jazz zu hören ist das Wichtigste.

Wer ist denn Dein großes Vorbild?

Meine Vorbilder sind Leute wie Cannonball Adderley und Grover Washington, aber auch Stevie Wonder und James Brown. Für diese Art Musiker gibt es heutzutage einfach keinen Ersatz.

In Deutschland hast Du ja unter anderem mit Paul Kuhn und Harald Juhnke gespielt. Wie waren die denn so?

Paul Kuhn, der war nett. Auch wenn es immer einen gewissen Abstand gab. Sein Bruder Rolf Kühn war damals mein Chef im Theater des Westens. Er hat uns Musiker extrem herausgefordert. Und Harald Juhnke? Mit dem habe ich eigentlich nur gespielt, aber nie gesprochen… Billy Mo, der war richtig nett! Mit dem hatte ich immer viel Spaß.

Du spielst in vielen Bands und hast Deine eigene Solo Saxophon Show. Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich spiele mit sehr guten, netten und zuverlässigen Musikern zusammen und meine Solo Show läuft richtig gut. In Zukunft hoffe ich, die Zeit zu finden, wieder eine eigene Band auf die Beine zu stellen und zu promoten.

Vielen Dank, Herbie H. Hart, für das Gespräch!

Herbie H. Hart ist Jazzsaxophonist und kommt ursprünglich aus Los Angeles.
Durch die Stationierung als US-Soldat kam er in den 80er Jahren nach Berlin und begann dort nach dem Verlassen der US Army eine erfolgreiche Karriere als professioneller Musiker und Musiklehrer. Er spielte mit verschiedenen Bands und in diversen Orchestern, wie zum Beispiel im Theater des Westens, SFB, RIAS, Friedrichstadtpalast und der Berliner Philharmonie.

Mehr Info?
Herbie H. Hart